Ökumenischer Kreuzweg Zürich

Das Projekt wurde am 17. Februar 2009 vom Präsidium der AGCK mit dem Oecumenica-Label ausgezeichnet.

Das Projekt schlägt Brücken unter den Kirchen und fördert die Begegnung von Menschen mit unterschiedlicher Glaubenserfahrung, Spiritualität und Konfession. Es ist kirchlich breit abgestützt und in der «offiziellen Kirche» verankert. Der Zürcher Kreuzweg ist zurzeit das herausragendste ökumenische Ereignis in der „Zwinglistadt“. Dies wegen der umfassenden Breite der Mitwirkung christlicher Kirchen und Konfessionen, aber auch weil der Kreuzweg an diesem hohen religiösen Feiertag in der Öffentlichkeit eine starke christliche Präsenz herstellt.


Das Projekt in Kürze

Der Oekumenische Zürcher Kreuzweg findet am Karfreitag im Zürcher Stadtzentrum statt. Als Weggottesdienst unter freiem Himmel vereint er Menschen der verschiedenen konfessionellen, nationalen und politischen Herkunft. Dabei werden symbolträchtige Orte wie das Rathaus, der Paradeplatz als Finanzzentrum, der Sitz der Fremdenpolizei, das Obergericht, das Universitätsspital und die historischen Altstadtkirchen als Halte-Stationen ausgewählt und mit besonderen Leidens-Dimensionen unserer Zeit verbunden.

Jede der fünf bis acht Stationen wird durch einen einfachen rituellen Ablauf gestaltet. Seit Karfreitag 2008 begleiten auch Kreuzwegbilder des Schweizer Künstlers Anton Egloff den Weggottesdienst. Es sind Stolen, die jeweils an den Stationen an ein schlichtes Holzkreuz gehängt werden. Dieses Kreuz wird von verschiedenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern dem Zug von Station zu Station voran getragen.

Jährlich gehen zwischen 800 und 1000 Menschen den Weg mit, der in einer Altstadtkirche beginnt und auch wieder in einer solchen mit dem symbolischen Ausblick auf Ostern abgeschlossen wird. In der Regel sind auch die Repräsentanten der christlichen Kirchen dabei.

Der erste Kreuzweg wurde am Karfreitag 1995 durchgeführt. Dabei ging die Initiative von einem evangelisch-reformierten Pfarrer aus; sie wurde von seinen katholischen, christkatholischen und reformierten Kollegen sofort aufgenommen. Von Anfang an waren auch die orthodoxen Kirchen mit dabei. Schon bald kamen die evangelisch-methodistische Kirche und die Heilsarmee als Vertreter der evangelischen Freikirchen sowie die evangelisch-lutherische Kirche dazu.

Der Kreis der beteiligten Kirchen und kirchlichen Gruppierungen ist inzwischen weiter angewachsen. Der den Kreuzweg „organisierende“ Oekumenische Arbeitskreis ist ein offener Arbeitskreis von Personen aus dem Umfeld verschiedener christlichen Konfessionen.


Weitere Informationen:

www.kreuzweg-zuerich.ch

Gedanken zur Ökumene

Dagmar Magold

«Einheit ist nicht eine Option, die wir wählen könnten oder nicht. Einheit ist Geschenk». Diese Worte des ehemaligen Generalsekretärs des Lutherischen Weltbundes, Dr. Ishmael Noko, haben mich geprägt. Nach Paulus sind wir alle bereits der eine Leib Christi, verbunden durch den Heiligen Geist und die Taufe und umschlungen vom Band der Liebe. Das vergessen wir oft und pflegen unsere konfessionellen und traditionellen Egotrips. Dadurch haben wir unnötig die Einheit in Christus beschädigt. Und nun meinen wir, wir müssten sie mühsam herstellen, dabei ist sie uns längst schon geschenkt. Wenn wir das alle in unserem täglichen Leben und in der kirchlichen Zusammenarbeit beherzigen würden, ragte wohl ein Zipfel des Reiches Gottes in unsere Welt. Dann wären wir alle gemeinsam, ein jedes auf seine Art, der lebendige Leib Christi und lebendige Zeugen für die Welt. Daran will ich mitarbeiten.

Pfarrerin Dagmar Magold