10 Jahre Charta – gegen die friedliche Scheidung der Kirchen

An der Tagung «Zehn Jahre Charta Oecumenica» nahmen am 9. Mai an der Universität Fribourg etwa 90 Personen teil wie Metropolit Jeremie Kaligiorgis und Professor Reinhard Frieling, einer der Verfasser der Charta. Dazu Duarte da Cunha, Generalsekretär der europäischen Bischofskonferenz CCEE und der Genneralsekretär der KEK, Professor Viorel Ionita. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK-CH) war durch ihre Präsidentin Reverend Adèle Kelham vertreten.

Veranstalter der Tagung waren das Institut für Ökumenische Studien an der Universität Freiburg, Leitung Professorin Barbara Hallensleben, in Zusammenarbeit mit KEK, CCEE sowie AGCK-CH.

Einig war man sich, dass die Charta auch nach 10 Jahren selbst in den Kirchen noch zu wenig bekannt ist. Die Kommunikationsarbeit muss noch verstärkt werden. Das Zitat eines Pfarrers «Wir sind eine Gemeinschaft von Kirchen, die friedlich voneinander geschieden sind» beschreibt oft die heutige Realität. Es geht darum, hier Gegensteuer zu geben. Dazu muss man sich über die anzustrebende Einheit einig werden – wie soll sie aussehen? Heute würden die Kirchen die Charta in der vorliegenden Form nicht mehr unterzeichnen, war von Fachleuten zu hören!

Was ist die Charta heute?

Reverend Adèle Kelham betonte die Bedeutung der Charta für die Arbeit der AGCK-CH. Die «dynamischen Selbstverpflichtungen» sprächen alle Christen, Kirchen und Kirchengemeinden an. Metropolit Jeremias Kaligiorgis wies darauf hin, dass sie neben ihrer Bedeutung für die Kirchen auch «die wichtigsten Aspekte des Zusammenlebens in Europa» aufzeige.

Duarte da Cunha hält die Charta für einen Schritt zur intensiveren Einheit, welche aber nicht aus theologischen «Einheits-Formeln» bestehe, sondern aus gegenseitiger Liebe, in deren Mitte Christus stehen müsse.

Die Unterzeichnung der Charta Oecumenica 2001 in Strassburg sei ein «generationenübergreifender Ak» gewesen, so Vionel Ionita, die Charta ein «Leitfaden für eine ökumenische Kultur» in Europa. Sie habe gerade in katholische geprägten Ländern wie in Italien und Österreich eine gute Aufnahme gefunden.

Gérard Daucourt, Bischof von Nanterre und Mitglied des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen, betonte, nach deren Unterzeichnung habe man in den Kirchen viel Interesse und Enthusiasmus gespürt. Dieser Elan sei abgeflaut. Doch sei die Charta kein strategisches Unternehmen, sondern ein Akt des Gottvertrauens nach der Schlussformulierung: «Jesus Christus ist als Herr der einen Kirche unsere grösste Hoffnung auf Versöhnung und Frieden. In seinem Namen wollen wir den gemeinsamen Weg in Europa weitergehen».

Widerstand gegen Ökumene

Warnend verwies Gérard Daucourt auf «den Einfluss von Strömungen in jeder unserer Kirchen..., die sich der Ökumene offen widersetzen.» Sie seien in der römisch-katholischen Kirche eine Minderheit. Auch in der Orthodoxie gebe es eine solche – und sie wachse. Die Kirchen seien heute oft mit sich selbst beschäftigt und würden weniger Ressourcen für die Ökumene einsetzen.

In den Workshops zu Themen wie Taufanerkennung, Umsetzung der Charta, dem Oecumenica-Label etc. wurde intensiv weiter gearbeitet. Begrüssenswert wäre es, wenn vermehrt Teilnehmende von Freikirchen an solchen Tagungen ihren Standpunkt einbringen würden!

Christiane Faschon

Gedanken zur Ökumene

Pfarrer Milutin Nicolic

«Was bedeutet Ökumene für mich? Ich möchte Kardinal Mercier zitieren: ‘Um uns miteinander zu einigen, müssen wir einander lieben. Um einander lieben zu können, müssen wir einander kennen. Um einander kennen zu lernen, müssen wir einander treffen.’»

Pfarrer Milutin Nicolic, Basel