Ökumenische Chor Freiburg

Das Präsidium der AGCK Schweiz hat im Juni 2011 diesem Projekt das Label verliehen.

Der « Ökumenische Chor Freiburg » besteht seit 1996. Ihm gehören zur Zeit 45 Sängerinnen und Sänger aus der katholischen Pfarreiseelsorge Freiburg Stadt und Umgebung und der reformierten Kirchgemeinde Freiburg an. Der 1981 als « Gemischter Chor des Seelsorgekreises St.Peter-Christkönig-Marly.Villars sur Glâne » gegründete Verein für die musikalische Gottesdienstgestaltung arbeitet seit 1996 offiziell als ökumenischer Chor mit durchschnittlich 7 Einsätzen pro Jahr bei katholischen Messfeiern, reformierten Gottesdiensten und ökumenischen Feiern in der Einheitswoche im Januar. Ein katholisch-reformiertes Co-Präsidium leitet die Einsätze.

Ziel der Chorarbeit ist es :

  • einen Beitrag zur musikalischen Gestaltung der Gottesdienste im Pfarrkreis und in der Kirchgemeinde zu leisten
  • geistliche und weltliche Chorwerke aufzuführen
  • Verständnis für die Ökumene zu wecken
  • Grundsätzlich ist der Chor auch für andere Konfessionen offen.

Die Ausgaben des Chors werden aus den jährlichen Beiträgen der katholischen Pfarreiseelsorge und der reformierten Kirchegemeinde, Gönnerbeiträgen und Spenden von Aktivmitgliedern bestritten.

Was bedeutet das Projekt für die Kirchen vor Ort?

Für die Gottesdienste der verschiedenen Konfessionen und ihre Verkündigung spielt die Kirchenmusik eine wichtige Rolle. Das gemeinsame Zeugnis im Rahmen gottesdienstlicher Feiern, die Respektierung unterschiedlicher Glaubenserfahrungen und –überzeugungen in der Vorbereitung der Einsätze, Begegnungen über die Konfessionsgrenzen hinaus, gemeinsames Beten und Feiern, sind dem ökumenischen Chor wichtig. Die Situation in Fribourg ist insofern eine Besondere, als die Zweisprachigkeit auch unterschiedliche Spiritualitäten mit sich bringt und neben den beiden implizierten Konfessionen wenig Möglichkeiten für die Teilnahme orthodoxer, christkatholischer oder freikirchlicher Mitglieder deutscher Sprache besteht. Eine punktuelle Zusammenarbeit mit den Orthodoxen besteht seit 2002 in den ökumenischen Gottesdiensten der Einheitswoche und in gelegentlichen Einsätzen in zweisprachigen oder rein französischsprachigen Gottesdiensten.

Da die spezielle religiöse Landschaft in der Stadt Freiburg einerseits von einer katholischen Mehrheit und Zweisprachigkeit geprägt ist, bedeutet dies für die Mitglieder des ökumenischen Chors als sprachlicher Minderheit ständige Brückenschläge über die Konfessions- und Sprachgrenzen, über unterschiedliche Weisen der Glaubensgestaltung, hinaus.

Das Projekt und die Label-Kriterien

1. Es setzt eine oder mehrere Selbstverpflichtungen der Charta oecumenica beispielhaft um

2. Der ökumenische Chor Fribourg wird von zwei Kirchen getragen, punktuell geschieht die Zusammenarbeit in der Einheitswoche mit den Orthodoxen. Die Minderheitsposition der deutschsprachgigen Chormitglieder in der zweisprachigen, vorwiegend französischsprachigen und katholischen Stadt, sowie die Kleinräumigkeit des Projektes machen eine Erfüllung des Punktes 2 – dass drei Kirchen mit beteiligt sind - kaum möglich, obschon der Chor dies möchte.

3. Das Projekt fördert Verständnis für unterschiedliche Glaubenserfahrungen, Spiritualität und Theologie christlicher Konfessionen und die Hoffnung auf Einheit. Der Chor versteht es als seine Aufgabe, ein gemeinsames Zeugnis im Dienst und Rahmen gottesdienstlicher Feiern zu geben, indem jedes Mitglied die eigenen Glaubenserfahrungen einbringt und jene anderer Mitglieder respektiert. Die Begegnung der konfessionsverschiedenen SängerInnnen untereinander und der Dialog mit den Verantwortlichen der beteiligten Kirchen ist dem Chor wichtig, damit er nach auch aussen als Gemeinschaft wahrnehmbar ist.

4. Das Projekt hat exemplarischen Charakter, kann auch andernorts aufgenommen und umgesetzt werden. Gerade als eher bescheidenes, örtliches Projekt mit klar definierten Zielen kann es zu ähnlichen Projekten andernorts anregen und ermutigen.

5. Es verfügt über eine gewisse Nachhaltigkeit, funktioniert über einen grösseren Zeitraum. Der Chor hat sich seit 15 Jahren als ökumenisches Projekt bewährt.

6. Es ist kirchlich verankert.

7. Es ist offen für weitere Kirchen. MitsängerInnen aus andern Konfessionen sind sehr erwünscht !

8. Das Projekt hat eine transparente Finanzierung. Die Jahresrechnung ist ausgewiesen. Neben den Beiträgen der Kirchen beteiligen sich auch die SängerInnen auf freiwilliger Basis entsprechend ihren finanziellen Möglichkeiten an den Kosten.

9. Es zeichnet sich durch effiziente Kommunikation aus. Der Informationsfluss zwischen den Vertretern der Konfessionsgemeinschaften und den Vorstandsmitgliedern ist gewährleistet, die Anlässe werden in den Pfarrblättern beider Konfessionen und in den lokalen Medien publiziert.

10. Das Projekt ermöglicht Mitwirkung Interessierter und fördert Massnahmen der Qualitätskontrollen. Wer bereit ist, im Rahmen einer regelmässigen Gottesdienstgestaltung mitzumachen, ist herzlich willkommen. Die Qualitätskontrollen ergeben sich aus den regelmässigen Gesprächen zwischen Chorverantwortlichen und Gottesdienstvorstehern, und setzen bei den unterschiedlichen Strukturen der Glaubensgemeinschaften Flexibilität und ein gegenseitiges Wohlwollen und Vertrauen voraus, das in den 15 Jahren gewachsen ist.

Besonderheiten des Projekts

Es liegt hier ein kirchenmusikalisches Projekt vor regionaler Ausstrahlung vor, ist aber in seiner besonderen Brückenfunktion zwischen den verschiedenen Sprachkulturen und unterschiedlichen Spiritualitäten ein auch für andere Chorprojekte exemplarisches Beispiel. Das langjährige Bestehen ist zudem Ausdruck eines kontinuierlichen und bewussten ökumenischen Engagements.

Beurteilung der Kommission

Mit den Chorprojekten des ökumenischen Chors von Fribourg liegt ein Basisprojekt vor. Obschon aus den oben genannten Gründen die Voraussetzung einer Teilnahme von mindestens drei Kirchen nicht erfüllt werden kann, zeigt das 15-jährige Bestehen als ökumenischer Chor und die diversen Einsätze in verschiedenen Kirchen eine bemerkenswerte Kontinuität und einen bewussten Willen, über Konfessionen und Sprachgrenzen hinaus gemeinsam zu wirken. Motivation ist für diesen Chor nicht musikalische Perfektion, sondern die ökumenische Zusammenarbeit. Gerade hierin könnte dieser Chor für andere Projekte im kirchenmusikalischen Bereich eine Ermutigung sein.

Chorleitung Ökumenischer Chor Freiburg:

Bettina Gruber Haberditz

Route de Chamblioux 18

1763 Granges-Paccot

Telefon 026 466 16 46

Gedanken zur Ökumene

Eduard Wildbolz

«Ökumene ist ein Wartesaal, in welchem die Wartenden darauf warten, dass die anderen den ersten Schritt auf die Einheit hin tun…..aber auch die Charta Oecumenica, die 2011 10 Jahre alt wird. Dort heisst es: "Die Kirchen müssten in allen Dingen gemeinsam handeln, abgesehen von solchen, in denen tiefe Unterschiede der Überzeugung sie zwingen, für sich allein zu handeln." Und das haben die Mitgliedkirchen der AGCK Schweiz alle unterschrieben.»

Pfarrer Eduard Wildbolz, Kirchlindach/BE, früher Sekretär der AGCK